Digital PLC Management

Das klassische Product Lifecycle Management ist im Rahmen der digitalen Transformation mit neuen Herausforderungen konfrontiert – und diese Veränderungen betreffen Produkte wie Produktion gleichermaßen. Die Digitalisierung eröffnet die Möglichkeit, PLM mit vernetzten Softwarelösungen neu aufzusetzen. Aber auch die Produkte selbst sind zunehmend vernetzt zu denken:  Sie sind über das Internet of Things eng mit der Umwelt und dem Kunden verbunden. Daher bietet es sich förmlich an, neue Aufgaben wie die After-Sales-Kundenbetreuung oder den produktbezogenen Customer-Service in den Digital PLM zu integrieren. Die dabei anfallenden Datenmengen sind für den gesamten PLM-Prozess von essenzieller Bedeutung.

Anders gesagt: Im Zuge der Vision von Industrie 4.0 muss sich das klassische PLM in kurzer Zeit neu erfinden. Am Ende einer gelungenen Transformation stehen optimierte, feedbackgesteuerte Produktionsprozesse, eine kollaborative, konsistente Wissensdatenbank und eine Produktion, die vom Kunden gesteuert und an dessen Wünsche angepasst werden kann.

Datenverwaltung im digitalen Master

Digital PLM sammelt Daten, die durch vernetzte Produkte generiert werden, führt sie an einer zentralen Stelle zusammen und pflegt sie auch dort. Dieses Datenmanagementsystem ermöglicht es allen am Prozess beteiligten Akteuren, für sie relevante Informationen an einem Ort einsehen und gemeinsam nutzen zu können. Ob Entwicklung, Fertigung oder Vertrieb – alle greifen auf den gleichen, konsistenten Satz an Daten zu. Besonders wichtig ist dabei auch die Vernetzung und Verlinkung der Daten, die den einzelnen Bereichen somit passgenau zur Verfügung stehen. Es braucht hierfür eine neue Anordnung, einen neuen Umgang mit den Datensätzen.

PLM-Architekturen

Um die gesammelten Daten optimal einsetzen zu können, sind neue Architekturen erforderlich. Diese dürfen nicht mehr als ein großes, abgeschlossenes System gedacht werden, sondern sie müssen offen sein, um z. B. Joint Ventures mit Partnern und Lieferanten zu ermöglichen. Datensicherheit und Schutz des geistigen Eigentums bleiben trotzdem enorm wichtig und werden von den neuen PLM-Architekturen nicht beschädigt.

Ein Key Feature der neuen PLM-Architekturen ist ihr modularer Aufbau: Sie bestehen aus verschiedenen vernetzten Subsystemen, die Daten aus allen Produktphasen (Entwurf, Design, Produktion, After-Sales) enthalten und diese vergleichbar und nutzbar machen. Außerdem sind die neuen Architekturen nicht statisch. Sie müssen flexibel an veränderte Prozessumgebungen anpassbar sein, um mit der Schnelligkeit des digitalen Wandels Schritt halten zu können. 

Digital Engineering

Die mittels Digital PLM erhobenen und zentral gespeicherten Daten können dabei helfen, den gesamten Produktions- und Lebenszyklus der Produkte virtuell abzubilden. So können Produktion und Entwicklung vollständig geplant und gesteuert werden – auch für spezielle Szenarien wie Engpass-Situationen. Gleichzeitig ermöglicht Digital PLM die unmittelbare Rückkopplung von After-Sales-Daten an den Produktionsprozess. Im Digital Engineering kann die Produktion in Echtzeit mit der Designabteilung und der Entwicklung interagieren. Komplexe Entscheidungsprozesse in und zwischen den einzelnen Bereichen können auf diese Weise bewältigt werden. Positive Auswirkungen dessen wären beispielsweise die Optimierung einzelner Prozessschritte oder die Entwicklung von Nachfolgeprodukten auf Grundlage des Nutzer-Feedbacks.

All diese Entwicklungen sind Schritte auf dem Weg zur virtuellen, digitalen Fabrik: Konsequent umgesetzt, orientiert sich Digital PLM nicht mehr vorrangig an materiellen Gütern und mechanischen Prozessen – sondern integriert Software- und Elektronikentwicklung wie auch Dienstleistungsplanung. Durch dieses interdisziplinäre Vorgehen sorgt Digital Engineering für reibungslosere Prozesse und Arbeitsverfahren wie das Rapid Prototyping oder das Rapid Tooling für die schnelle Herstellung von Prototypen und Mustern.

Geschäftsmodelle mit Kunden- und Serviceorientierung

Digital PLM liefert Daten, die im Vorlauf von Projekten in die Planung einfließen. Die Daten sind aber auch für die Produktion relevant, um eine fortlaufende Anpassung und Weiterentwicklung nach dem Kauf anbieten zu können. Eine weitere Einsatzmöglichkeit ist der Bereich der Mass Customization. Mit vergleichsweise geringem Aufwand können bestimmte Design-Entscheidungen und Individualisierungen in die Hände des Kunden gelegt werden. Dieser kann zum Beispiel über ein Webinterface mit Produktkonfigurator unmittelbar in die letzten Schritte des Produktionsprozesses eingreifen und diesen nach seinen Wünschen gestalten. Damit ändert sich auch die Entwicklungsrichtung, das starre Top-Down-Prinzip wird aufgebrochen zugunsten einer durchgehend vertikalen Integration. Im harten Wettbewerb mit anderen Unternehmen kann das als echter Mehrwert gesehen werden. Gleichzeitig sinken so die Kosten für Anpassungen an spezifische Kundenwünsche.

Future PLM

Digital PLM hat das Potenzial, die Wertschöpfung des Produktionsprozesses enorm zu steigern. Durch die Generierung großer Datenmengen werden alle Produktionsschritte wie auch das Produkt selbst transparent und messbar. Mit den Rückmeldungen aus dem Feldeinsatz können die Produkte verbessert oder auch Nachfolgermodelle entwickelt werden. Die Vernetzung ermöglicht es allen Bereichen, enger zusammenzuarbeiten. Außerdem wird es möglich, in Echtzeit auf laufende Produktionsprozesse zuzugreifen. Nicht zuletzt erhält der Kunde die Möglichkeit, Produkte auf seine Bedürfnisse anzupassen – Mass Customization wird für die Unternehmen finanziell darstellbar.